Block 6: Recht
Coach: Christian W. Atz, Business Development Manager Pamyra GmbH, Leipzig & Gründer mehrerer eigener Start-ups

„It’s not about how hard you hit. It’s about how hard you can get hit and keep moving forward“, riet schon Sylvester Stallone in Rocky. Was er damit meinte? Nur wer auf Rückschläge vorbereitet ist, kann darauf reagieren. Dass das auch für Gründer gilt, wusste Christian Atz in seinem Blocktermin zum Thema Recht zu berichten. Seine Botschaft: Wer gründet, sollte sich bestmöglich auf alle rechtlichen Eventualitäten vorbereiten. Ansonsten kann dein Start-up ganz schnell zum Rohrkrepierer werden.

Black Forest Accelerator-Coach Christian Atz ist zwar erst 35 Jahre alt, aber bereits ein Urgestein der Ortenauer Start-up-Szene. In Lahr aufgewachsen zog es den ehemaligen Leistungssportler zum Studium nach Tübingen, wo er seine erste Geschäftsidee entwickelte. Ein Abstecher zur österreichischen Vorzeigegründung Runtastic brachte ihn noch während des Studiums bis ins indische Start-up-Mekka Ahmedabad, wo die Idee eines lokalen Accelerators entstand. Zusammen mit Szenekenner Uwe Baumann und dem Lahrer Unternehmer Eckehard Ficht setzte er sie 2014 auf dem Lahrer zeit:areal in die Tat um: Es war die Geburtsstunde des Black Forest Accelerators.
Heute unterstützt der frisch gebackene Vater Start-ups bei der Entwicklung ihrer Geschäftsmodelle und berät sie in rechtlichen Fragen – und das, obwohl er das zweite Staatsexamen seines Jurastudiums nie abgeschlossen hat. Auf die Frage warum, antwortet er: Ich wollte schon immer lieber Unternehmer werden. Die Praxis gibt ihm recht. Christian Atz vereint das beste aus beiden Welten: rechtliches Know-how und seine vielseitige Erfahrung als Gründer. Mit seinem Mobile Garden schafft er es bei der Höhle der Löwen auf Vox Investor Jochen Schweizer zu begeistern. Die Online-Plattform für Pflanzenliebhaber Planthub, welche in Zusammenarbeit mit den Entwicklern
Christian und Benjamin Kreft entstand, erhielt zuletzt den mit einem Funding von 7000 Euro dotierten „Gründerpreis der Stadt Lahr“. Im startUp.connect-Interview verriet uns Christian Atz, welche rechtlichen Rahmenbedingungen schon im Vorfeld einer Gründung zu beachten sind.

Hallo Christian, in welche juristischen Stolperfallen bist du im Lauf deiner eigenen Start-up-Karriere getappt und was würdest du aus der Sicht des Juristen heute anders machen?
In erster Linie war ich, trotz meines Jurastudiums, von den administrativen Anforderungen an den Geschäftsführer einer Kapitalgesellschaft überrascht. In meinem Fall war es eine UG. Rückblickend würde ich erst später eine Kapitalgesellschaft gründen. Und zwar erst in dem Monat in dem ich mir sicher bin, dass zeitnah Einnahmen reinkommen.

Welche Anforderungen waren das?
Die Mahngebühren und etwaigen Bußgelder bei verzögertem Einreichen von Dokumenten, wie zum Beispiel beim Bundesanzeiger, sind selbst für UG-Gründer schon schmerzlich hoch. Man sollte  sich bei der Wahl dieser Gesellschaftsform bewusst sein, dass die UG, obwohl das verlangte Startkapital sehr gründungsfreundlich ist (ein Euro Stammkapital, Anm. d. Red.), wie eine normale GmbH im Rechtsverkehr behandelt. Auch die Liquidation einer UG ist kein Selbstläufer, sondern beansprucht einiges an, auch finanziellen, Ressourcen

Warum ist die zeitnahe Aussicht auf Einnahmen so wichtig?
Die Kosten für die erforderlichen Mitgliedschaften, zum Beispiel in der IHK, können, wenn man mit überschaubarem Stammkapital gegründet hat, dieses sehr schnell spürbar reduzieren. Wenn man sowieso schon streng haushalten muss, kann das ziemlich weh tun. Und logisch: Wenn man auf der anderen Seite Einnahmen hat, kann man auch mal einen größeren finanziellen Abfluss gut abfedern.

Bei welchem deiner Gründungsvorhaben wurdest du selbst mit dieser Situation konfrontiert?
Wir haben für unser Projekt ‚Heimatgummi‘ (Kondome in Packungen, die von regionalen Künstlern designt wurden, Anm. d. Red.) eine UG mit 3000 Euro Stammkapital gegründet und auch gleich mehr als 10 000 Kondome herstellen lassen.

Wo lag das Problem?
Wir haben keine Infrastruktur für den Vertrieb und den Verkauf geschaffen. Letzten Endes stellte sich dann heraus, dass es gar nicht so einfach war unsere Kondome an den Mann zu bringen, wie wir uns das ursprünglich vorgestellt hatten. Viele Händler fanden die Idee zwar witzig, wollten unsere Kondome in ihrem eigenen Laden dann aber doch lieber nicht verkaufen.

Wie würdest du heute an die Sache herangehen?
Schrittweise, ganz klar: kleine Auflage im Digitaldruck, Geschäfte finden, die unsere Produkte verkaufen, gemeinsame Preisfindung mit allen Beteiligten. So hätten wir uns viele Ausgaben gespart. Insbesondere diejenigen, die mit der Ausübung einer Kapitalgesellschaft einhergehen. Damit meine ich zum Beispiel den erhöhten buchhalterischen Aufwand, die Hinterlegungspflichten beim Bundesanzeiger und so weiter. Aktuell liquidieren wir die Gesellschaft, was auch wieder mehrere hundert Euro und einige Termine beim Notar mit sich bringt. Unnötig.

Also lieber klein anfangen und dann mit dem Erfolg wachsen?
Nein, man sollte schon von Anfang an groß denken, dabei aber auch immer die Ausgaben, die eine UG oder GmbH verursachen berücksichtigen. Dazu zählen auch Mahngebühren oder Bußgelder, wenn man zum Beispiel die Fristen zur Einreichung oder Hinterlegung nicht einhält. Wer ausreichend Kapital zur Verfügung hat, sollte eine GmbH gründen.

Was rätst du allen anderen?
Das ist immer vom Einzelfall abhängig. Pauschal beantworten kann man diese Frage nicht. Klar ist auf jeden Fall: Wer eine Kapitalgesellschaft gründen möchte und über ausreichend Kapital verfügt, für den ist die GmbH sicherlich die bessere Wahl gegenüber einer UG. Allein schon aus Imagegründen. Möchte man zum Beispiel Investoren ansprechen, wirkt eine GmbH, für deren Gründung ein Startkapital von 25 000 Euro da sein muss, einfach wesentlich erwachsener als die UG, für deren Gründung schon ein symbolischer Euro ausreicht.

Was sind deine 3 Tipps für Gründer?
Wie schon gesagt: Eine Kapitalgesellschaft bitte nur dann gründen, wenn ausreichend Stammkapital zur Verfügung steht. Das gilt auch für die Gründung einer UG. Des Weiteren sollte man immer alle Fristen im Auge behalten, zum Beispiel für Steuern und Hinterlegungen. Und ganz wichtig: Für die Klärung von Rechtsfragen sollte man immer ausreichend Zeit investieren, auch wenn es lästig erscheint. Die rechtlichen Themen zumindest oberflächlich zu verstehen, ist ein großer Vorteil. Bevor man einen Anwalt hinzuzieht, kann man auch schauen inwieweit die IHK oder Start-up-Hubs und Co. einem weiterhelfen können.

Näher am Thema interessiert? Hier werdet ihr fündig:
www.gruenderszene.de
www.deutsche-startups.de
www.techcrunch.com
www.paulgraham.com
www.bootstrapping.me