Block 4: Workshop E-Commerce – Die richtige Strategie für dein Geschäftsmodell
Coach: Mario Pinna, Leiter E-Commerce Lipo Einrichtungsmärkte AG

Nach dreiwöchiger Verschnaufpause ging die Heldenreise der Teilnehmer des Black Forest Accelerators am 8. März in die vierte Runde. Die Fragestellung: Welcher Marketingmix ist für mein Geschäftsmodell interessant?
Das Motto: Gemeinsam sind wir stark.

Extra angereist aus Basel und mit dem smartesten Akzent der Start-up-Szene im Südwesten gesegnet, war Mario Pinna, E-Commerce-Experte der Lipo Einrichtungsmärkte AG aus Pratteln bei Basel. Aus seinem Handgepäck zauberte er ein Format, welches bei den Gründern des BFA auf fruchtbaren Boden traf: Co-Working. Vier Gründer, vier Teams und zwei Workshop-Tage Zeit, um sich intensiv auszutauschen und gemeinsam an deren Vertriebsstrategien zu feilen. Teamwork war gefragt. Und Mario Pinna war mittendrin. Charmant, fachkundig und immer mit einem offenen Ohr, sorgte er für zahlreiche Aha-Erlebnisse unter den Gründern. Sein Motto: „Wir zwingen unsere Zielgruppe zu ihrem Glück.“

Das waren die Teams:

WeloveWC
WeloveWC-Gründer Michael Mühl war früher einmal Versicherungsvertreter. Und das merkt man *Zwinkersmily*. Um keinen derben Spruch verlegen, hat er das Kacken zum Lifestyle ausgerufen. Klingt kurios? In der Tat. Doch Michael meint es ernst. Seine Mission: mobile Toiletten anbieten, in denen man sich wohlfühlt. Sauber, sicher, geräumig, ein wohliger Rückzugsort. Genauso wie zu Hause. So lautet das Versprechen. Platzieren möchte Michael seine WCs, für deren Produktion er bereits ein Ortenauer Stahlbau-Unternehmen in der Hinterhand hat, auf allen großen Musikfestivals im deutschsprachigen Raum. Und dann? „Ich hab keine Scheu davor groß zu denken“, sagt er. „In Europa finden jedes Jahr tausende Events statt, die wir, wenn alles nach Plan läuft, bedienen können. Und fast überall stehen immer noch
diese miefigen Toi Tois rum. Das wollen wir ändern.“ Mit seinem Geschäftsmodell möchte Michael dabei helfen die Befriedigung eines Grundbedürfnisses
möglichst angenehm zu gestalten: den Klogang. Und löst damit ein grundlegendes Problem. Schließlich würde sich freiwillig wohl kaum einer auf eines dieser berüchtigten Toi Tois setzen, gäbe es eine komfortablere Alternative, oder? WeloveWC möchte diese Alternative sein. Wie das geht? Während die Toi Tois umsonst sind, plant Michael den Partypeople seinen Service für eine verkraftbare Pauschale anzubieten. Vorbild sind Toilettenbetreiber wie Sanifair, die das Modell auf deutschen Raststätten bereits erfolgreich umsetzen. Das Geschäftsmodell ist bereits weit gediehen. Die Website steht, Gespräche mit großen Veranstaltern wurden geführt, die Vermietung von Werbeflächen ist eingepreist, eine Social-Media-Kampagne in den Startlöchern. Die Red Hot Chilli Peppers machen ein Selfie im Ganzkörperspiegel? Warum nicht? „Toi Toi
kann ja immer noch die Baustellen beliefern“, sagt Michael. „Wir bedienen bald die ganzen großen Festivals. Und zwar weltweit.“ Eins scheint auch nach diesem Wochenende klar: Der Mann weiß, was er will.

Aestethic Sports
Gründer Marlon Scholz hat zwar BWL studiert, „Arbeitgeber wie die Investment-Branche sind mir aber zu formal“, sagt er. „Ich möchte mein Business anderes angehen.“ Sein Ziel: eine eigene Fitness-Bekleidungsmarke aufbauen und dann mit einem breiten Produktportfolio weltweit zu expandieren: „Sportlernahrung, Kosmetikprodukte, Accesoires. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt“, sagt Marlon. Sein USP: Fast alle Textilien lässt er nahtlos produzieren. So, wie man das von Outdoor-Bekleidung kennt. Funktional, pragmatisch und gestalterisch aufs Wesentliche reduziert: Aestethic Sports eben. „Die Naht ist die Schwachstelle bei Sportbekleidung“, sagt Marlon. „Sie kann reißen und scheuert. Bei Aestethic Sports gibt’s das nicht. Sportler stehen auf Funktionalität und wissen das zu schätzen. Außerdem bietet das Produktionsverfahren eine viele Möglichkeiten spannende neue Designs zu entwerfen.“ Dass Marlon sich in einer extrem hart umkämpften Branche bewegt, ist ihm klar. „Deshalb möchte ich auch möglichst spitz in den Markt gehen“, sagt er. Heißt: Über Influencer eine junge, sportlich aktive Zielgruppe anspreche, die sich mit innovativen Markenprodukten identifiziert. Mario Pinnas Tipp deshalb: „Setze auf Imagemarketing. Du verkaufst in Wirklichkeit nämlich gar keine Kleidung, du verkaufst einen Lifestyle. Nur so kannst du bestehen.“ Marios Fragestellung deshalb: „Wer genau könnten deine Sparring-Partner sein und
wie setzt du sie ein, um das Image deiner Marke in die richtige Richtung zu pushen?“

Happy Hotel
Happy Hotel ist ein Online-Tool zur automatischen Kalkulation von Zimmerpreisen für die Hotellerie des Gründerteams um Sebastian Kuhnhardt (COO), Rafael Weißmüller (Online-Marketing) und Marius Müller (Entwicklung). Benötigt werden lediglich einige Grunddaten, den Rest erledigt das System von alleine – und soll so selbst für Hoteliers eine solide betriebswirtschaftliche Basis bieten. Die Happy Hotel-Gründer versprechen: Mit Happy Hotel ist die Zeit unübersichtlicher Excel-Tabellen bald passé. „Die Zukunft der Hotellerie ist digital“, ist sich Initiator Sebastian Kuhnhardt, der selbst in einem Hotelbetrieb aufwuchs, sicher. Die Schwachstellen in der Hotellerie kennt der gelernte Hotelfachmann bestens. „Wir hinken in Deutschland der Entwicklung noch stark hinterher“, sagt er, prognostiziert aber: „In den USA wird schon
heute brutal viel Geld für die Entwicklung digitaler Revenue-Systeme investiert. Ich bin mir sicher, das kommt bald auch hier. Mit Happy Hotel möchten wir ganz vorne mit dabei sein.“ Die Website steht, seit Februar gibt es eine Beta-Version von Happy Hotel. Die Kundegewinnung ist nach einem Jahr Entwicklung schon weit fortgeschritten. „Wir haben schon viele gute Gespräche geführt, es gibt zahlreiche Interessenten, die nur darauf warten loszulegen“, sagt Rafael Weißmüller. „Wir arbeiten nach
dem Motto: Nicht immer nur darüber reden, sondern es einfach machen. Den ersten Käufer an Land zu ziehen ist dann immer wie Achterbahn zu fahren. Da brauch ich keinen Europa-Park mehr. Es ein tolles Gefühl. Kauft jemand nicht, geht die Welt aber auch nicht unter. Dann klappt es vielleicht beim nächsten Kunden. Das sollte man sich immer wieder ins Bewusstsein rufen.“ „Jetzt ist die Zeit gekommen die Nuggets zu ziehen“, sagt Mario Pinna. „Ihr habt die Möglichkeit euer Geschäftsmodell jetzt zu Gold zu machen.“

Fensterhelfer
Der Name Supdow war zu kompliziert, weshalb Gründer Jerome Klausmann sein Start-up während des Workshops kurzerhand umbenannte: Fensterhelfer heißt es jetzt und soll Fensterbauer mit potenziellen Kunden auf einer Plattform zusammenführen. „Letzten Endes wird das Ganze funktionieren wie eine klassische Ausschreibung: ein Kunde, drei Fensterbauer, von denen einer den Zuschlag erhält. Wir kassieren eine Provision für die Vermittlung.“ Zwei der drei Anbieter gehen zwar leer aus, „bei einer normalen Ausschreibung ist das ja aber auch so“, sagt Jerome. „Dafür haben sie gesehen, dass ein Konkurrent den Auftrag bekommen hat und sind bei der nächsten Ausschreibung vielleicht wieder dabei.“ Langfristig möchte Jerome mit seiner Plattform mindestens zehn Prozent aller Fensterbauer in Baden-Württemberg erreichen und dann expandieren. „Die gesamte DACH-Region ist interessant. Allein in Baden-Württemberg werden im Jahr hunderttausende Fenster verbaut. Das ist ein riesiger Markt, auf dem es für innovative Geschäftsmodelle wie meines noch großen Bedarf gibt.“ Ende März soll das erste MVP (Minimum Viable Product) fertig sein. Bis zur Marktreife dürfte es für die Fensterhelfer dann nicht mehr lange dauern. Der Workshop mit Mario Pinna kam für Jerome da genau richtig. „Durch den Austausch mit den anderen Gründern bin ich in den vergangenen zwei Tagen ein gutes Stück vorangekommen“, sagt er zum Abschluss. „Jeder hat eine andere Perspektive eingebracht. Jetzt starte ich mit einem richtig guten Gefühl in die nächste Phase des Projekts.“